Bei Sylt Distillers gehört beides zusammen. Die sorgfältige Arbeit an einer Rezeptur und die Fähigkeit, ihren Geschmack verständlich zu machen. Denn hinter einer Spirituose stehen nicht nur Zutaten und Verfahren. Es stehen Menschen dahinter, die eine Idee entwickeln, Entscheidungen treffen und ihre Begeisterung mit anderen teilen.

Einige dieser Entscheidungen werden später im Glas erkennbar. Andere schaffen erst die Voraussetzungen dafür aus einer gemeinsamen Leidenschaft ein Unternehmen zu machen, einen Ort für das Handwerk aufzubauen und Gäste an dieser Entwicklung teilhaben zu lassen.

Die Geschichte begann mit der Begeisterung für Sylt und Spirituosen. 2014 entstanden der erste Gin und die ersten Whiskyfässer im Warehouse am Rantumer Hafen. Das Kontor trug damals noch den Namen Sylter Trading. Hier entwickelte Sylt Distillers auch einen eigenen Whisky, der seitdem in eigener Regie gebrannt und anschließend auf Sylt in ausgewählten Fässern gelagert, veredelt und abgefüllt wird. So entsteht der maritime, inzwischen preisgekrönte Charakter, unseres Whiskys Haven.

Ein wichtiger Schritt folgte im November 2021: Die Kontorfläche wurde mehr als verdreifacht und eine eigene Brennerei installiert. Damit rückten Herstellung, Lagerung und Begegnung an einem Ort zusammen.

Sylt Distillers wird von John-Meinert Petersen, Klaus-Oliver Welsow und Dirk Schmidt geführt. Für die handwerkliche Seite steht insbesondere Dirk als Geschäftsführer und Master Distiller. Klaus-Oliver ist Mitgründer, Mitgesellschafter und Whiskyexperte. Ihre persönlichen Perspektiven zeigen, wie sich unternehmerische Erfahrung und die Arbeit am Geschmack in derselben Marke begegnen.

Die eigene Brennerei veränderte dabei mehr als die räumliche Aufteilung. Rezepturen konnten direkt vor Ort umgesetzt und der Brennprozess selbst gestaltet werden. Für Gäste wurde zugleich greifbarer, was hinter den Produkten steckt: Herstellung und Herkunft lassen sich hier miteinander verbinden.

Klaus-Olivers Verbindung zur Nordsee reicht bis in seine Kindheit zurück. Es ist vor allem die Natur, die ihn an Sylt begeistert: die offene Westküste, das Wattenmeer im Osten und die besondere Landschaft dazwischen. Die Insel war für ihn deshalb schon lange ein persönlicher Bezugspunkt, bevor sie Teil eines Geschäftsmodells wurde.

Seine zweite Leidenschaft gilt dem Whisky. Ihn interessiert nicht nur der Genuss, sondern auch die Geschichte einer Destillerie, ihre eigene Handschrift und das Konzept, mit dem sie arbeitet. Warum entsteht an einem Ort ein bestimmter Stil? Welche Entscheidungen stehen dahinter? Für Klaus-Oliver gehören solche Fragen zur Entdeckung eines Whiskys dazu.

Als ein befreundeter Geschäftspartner ihn bat, für Sylt Distillers ein Geschäftsmodell und einen Businessplan zu entwickeln, kamen diese Interessen zusammen. Hinzu kam seine Erfahrung aus mehr als 25 Jahren Unternehmensberatung. Rückblickend beschreibt er diese Verbindung so:



Sensorisch ein Genuss

Ein Rezept gibt eine Richtung vor. Ob eine Spirituose ausgewogen wirkt, zeigt sich jedoch nicht allein auf dem Papier. Dafür braucht es Aufmerksamkeit: Welche Note tritt zuerst hervor? Bleibt die Würze angenehm? Tragen die einzelnen Aromen einander oder steht eines zu deutlich im Vordergrund?

Für Dirk brachte die eigene Brennerei die Möglichkeit, den Brennprozess unmittelbar zu kontrollieren und selbst über die Schnittpunkte bei der Destillation zu entscheiden. Gemeint sind die Übergänge, an denen unterschiedliche Anteile des Destillats getrennt werden. Solche Entscheidungen beeinflussen den Charakter der späteren Spirituose.

Damit bekommt der Begriff Master Distiller eine konkrete Bedeutung. Es geht darum, eine Vorstellung vom Geschmack in die Herstellung zu übertragen und das Ergebnis zu beurteilen. Bei Gin und Aquavit gehören eigene Rezepturen dazu, in denen Küsten- und Dünenbotanicals eine wichtige Rolle spielen.

Dirk verbindet diese gestalterische Freiheit mit persönlicher Verantwortung. Eine Spirituose soll nicht nur eine interessante Idee verkörpern. Sie muss auch als fertiges Produkt überzeugen. Er formuliert diesen Anspruch so:



Eine Destille besteht nicht nur aus der Arbeit an der Brennanlage. Zutaten müssen ausgewählt, Produkte geprüft und die fertigen Spirituosen für den Weg zum Gast vorbereitet werden. Im Kontor kommt eine weitere Aufgabe hinzu: zuhören, erklären und aus einer großen Auswahl eine passende Empfehlung machen.

Diese Tätigkeiten verlangen unterschiedliche Fähigkeiten. Ein tragfähiges Unternehmenskonzept beantwortet andere Fragen als eine Rezeptur. Die Herstellung wiederum verlangt einen anderen Blick als die Beratung. Zusammen ergeben sie den Rahmen, in dem eine Spirituose entstehen und ihren Weg zu den Menschen finden kann.

Auch die Produkte erzählen von unterschiedlichen Entscheidungen. REED Gin, BRANDUNG Aquavit und HAVEN Whisky haben jeweils eine eigene Richtung. Sie alle mit denselben Worten zu beschreiben, würde ihnen nicht gerecht. Wer sie vermittelt, muss ihre Besonderheiten kennen und verständlich machen können.

Für Gäste wird diese Zusammenarbeit dann spürbar, wenn eine Erklärung weiterhilft. Eine Empfehlung erhält ihren Wert nicht dadurch, dass möglichst viele Produktdaten genannt werden. Sie sollte zu dem passen, was jemand sucht und gern genießt.

Vielleicht kennst Du das: Du riechst an einem Glas und findest ein Aroma vertraut, kannst es aber noch nicht benennen. Ein Gespräch hilft dann oft mehr als eine lange Liste von Fachbegriffen. Eine Frage nach Frucht, Kräutern oder Gewürzen eröffnet einen eigenen Zugang.

Im Kontor ist Platz für solche Entdeckungen. Neben den eigenen Spezialitäten gibt es eine große Auswahl internationaler Whiskys. Das persönliche Gespräch kann dabei helfen, Vorlieben einzugrenzen: Magst Du eher Frucht oder Würze? Suchst Du einen vertrauten Stil oder möchtest Du etwas Neues kennenlernen?

Bei einem Tasting verändert sich der Blick. Mehrere ausgewählte Whiskys lassen sich miteinander vergleichen, während ihre Herkunft und Herstellung erläutert werden. Ein Unterschied, der beim Lesen abstrakt bleibt, wird im direkten Vergleich verständlicher. Vorkenntnisse sind dafür nicht nötig.

Dabei muss niemand den Geschmack eines anderen übernehmen. Wenn Du etwas anders wahrnimmst, ist das ein Anlass zum Austausch. Die Erklärung soll Dir Orientierung geben und Deine eigene Wahrnehmung schärfen. Sie nimmt Dir die Entscheidung über Deinen persönlichen Favoriten nicht ab.

Klaus-Olivers Interesse an den Geschichten hinter Destillerien passt zu dieser Art der Vermittlung. Eine Flasche trägt Daten auf ihrem Etikett. Im Gespräch wird daraus ein Zusammenhang zwischen Herkunft, Herstellungsweise und dem Eindruck im Glas.

Sylt ist für viele Menschen eine Erinnerung an Wind, Weite und Zeit am Meer. Am Rantumer Hafen verbindet sich dieses Gefühl mit einem konkreten Ort des Handwerks. Du kannst fragen, probieren und sehen, wo gearbeitet und gelagert wird.

Für Klaus-Oliver liegt ein besonderer Wert der Unternehmensgeschichte außerdem in den Freundschaften, die auf der Insel und in der Whiskyszene entstanden sind. Seine Begeisterung hat sich damit über das ursprüngliche Interesse an Sylt und Whisky hinaus entwickelt: Aus gemeinsamen Themen wurden persönliche Verbindungen.

Das gibt dem Teamthema einen eigenen Schwerpunkt. Es geht um die Menschen, die Sylt Distillers gestalten, und um Begegnungen, die aus ihrer Arbeit entstehen. Herkunft wird dadurch auch als Beziehung zu einem Ort und zu anderen Menschen verständlich.

Wenn Du die Destille bei einer Führung kennenlernst, lohnt deshalb auch die Frage nach einer Entscheidung: Warum diese Zutat? Warum dieses Verfahren? Die Führung verbindet den Blick auf die Brennanlage mit dem Besuch des Fasslagers. Oft beginnt genau dort die interessanteste Geschichte hinter einer Flasche.

Wer steckt hinter Sylt Distillers?

Zur Geschäftsführung gehören John-Meinert Petersen, Klaus-Oliver Welsow und Dirk Schmidt. Dirk Schmidt ist zudem Master Distiller. Das Team verbindet die Arbeit an den Spirituosen mit Beratung, Führungen und Tastings in Rantum.

Wo kann ich Sylt Distillers kennenlernen?

Kontor, Destille und Warehouse No. 1 befinden sich am Rantumer Hafen, Hafenstraße 14, 25980 Sylt, Ortsteil Rantum.

Seit wann gibt es die eigene Brennerei?

Die eigene Brennerei wurde im November 2021 installiert. Die Geschichte reicht weiter zurück: 2014 entstanden der erste Gin und die ersten Whiskyfässer am Rantumer Hafen.

Sind Tastings auch für Einsteiger geeignet?

Ja. Die angebotenen Whisky-Tastings richten sich an Einsteiger und Kenner. Herkunft, Herstellung und Geschmack werden verständlich erläutert.

Kann ich die Herstellung vor Ort kennenlernen?

Bei Destillerieführungen werden die Brennanlage und das Fasslager erklärt. Schaubrennen wird an Brenntagen angeboten. Maßgeblich sind die jeweiligen Veranstaltungsangaben.